Weltenbummeln in: Thailand, Myanmar und Kambodscha- Part2

Und noch ein weiterer Ausschnitt der Reise

Myanmar

Das Land ist wahrscheinlich so wie Thailand vor 20 Jahren. Irgendwie in der Zeit stehengeblieben. Für Touristen ist es noch nicht lange zugänglich und das haben wir vor allem in Yangon unserem ersten Ziel sehr zu spüren bekommen. Es ist eine relativ große Stadt nur ca. eine Flugstunde von Bangkok entfernt. Sobald man den Flughafen verlässt strömen jede Menge Taxifahrer, und solche die gerne welche wären auf einen zu und versuchen einen fast ins Auto zu zerren und zu horrenden Preisen ins Zentrum zu bringen. Viele von ihnen haben keine offiziellen Taxischilder ausgewiesen, man erkennt sie nur an den roten Nummerntafeln. In die Stadt braucht man eine gute Stunde, bezahlt haben wir dafür ca. 15$.

Der Stadtplan hat mich mit der Aufteilung in Straßen und Ecken, sehr an New York erinnert, zusätzlich gibt es noch eine Differenzierung zwischen Uptown und Downtown. Den Unterschied zu Bangkok haben wir auf der Suche nach irgendeiner Nahrung bemerkt. In näherer Umgebung war kein einziger Supermarkt oder mit einem 7-Eleven vergleichbares, keine Restaurants oder Bars. Nichts. Nur heruntergekommene Häuser, mit Schlaglöchern gesäumte Gehwege und hektische Straßen, die es schnell zu überqueren galt. Während man also durch die Straßen irrt, blickt man in viele fragende Gesichter, die einem mit prüfendem und skeptischem Blick nachsehen. Man geht vorbei an einigen Streetfood- Ständen wovon ich aber wirklich abraten würde dort zu essen- außer man ist entweder mit einem Magen aus Stahl gesegnet oder hat nichts gegen eine Lebensmittelvergiftung einzuwenden- obwohl ich im benachbarten Thailand ein riesengroßer Fan davon bin. So fanden wir uns also mittlerweile relativ spät am Abend auf den immer weniger belebten Straßen Yangon´s wieder, hungrig, durstig, ohne Ahnung von der Stadt und mit viel Geld, das aber aufgrund einer kürzlichen Laune der neuen Regierung nicht mehr anerkannt wurde. Und so steht man erstmal da. Ist müde, ratlos und echt im ersten Moment mal dezent überfordert. Englischsprachige Menschen waren in diesem Viertel zumindest Mangelware, oder sie wollten einfach nicht mit uns reden, das kann ich nicht so genau sagen.

Das Ganze mag jetzt vielleicht nur halb so schlimm klingen, war aber in dem Augenblick ein ziemlich beschissenes Gefühl. Und dennoch findet man immer irgendwelche Mittel und Wege um aus solchen Situationen rauszufinden. Man trifft im exakt richtigen Moment auf die absolut richtige Person, die einem hilft und somit den Tag doch noch ins Positive lenkt. Und genau das ist es was den Reiz des Reisens für mich ausmacht. Die scheinbar aussichtslosen Lagen, die es zu überwinden gilt und die einen über sich hinauswachsen lassen. Und wir wurden belohnt am nächsten Tag, und zwar mit einer Freiluft Party in der französischen Botschaft, mit anschließender Afterhour in einem burmesischen Wohnhaus im 6.Stock und vielen lustigen Bekanntschaften.

Ja, auch wenn es Zeiten gibt wo mir eigentlich nur noch nach heulen zumute ist, sind es doch genau diese, die einem in Erinnerung bleiben. Weil sie anders sind. Nicht der gewohnte Alltagstrott. Nein, man wird gefordert daraus auszubrechen, um etwas neues auszuprobieren, Grenzen zu überschreiten, mutig zu werden. Das schöne daran ist, dass man so viele neue Seiten und Gesichter von sich selbst kennenlernt, Selbstbestätigung erfährt und eine gehörige Portion an Selbstvertrauen mitbekommt. Das sind die Gründe warum ich so gerne auf Reisen gehe, das ist das wertvolle daran, viel wertvoller als es irgendeine Designerhandtasche jemals für mich sein könnte. Also ja, auch ich kann mir mein Glück ein Stück weit kaufen, oder zumindest den Weg, das Ticket dorthin.

Und wie heißt es so schön, auf Regen folgt Sonnenschein. So wurden wir nach ein paar harten Tagen, durch den Anblick von atemberaubend schönen Landschaften in unserem nächsten Ziel Bagan, die malerischer gar nicht sein könnten belohnt.

Man fährt vom Mini-Flughafen des Ortes über staubige Straßen, vorbei an tausenden Pagoden, die wie Schwammerl aus der steppenartigen Erde hervorragen. Es ist so wunderschön dort. Wenn man nun mitten im Nirgendwo am späten Nachmittag auf einer jahrtausendealten Pagode sitzt und den Sonnenuntergang beobachtet, der diese bezaubernden Bauwerke in einen Schleier aus orangen und violetten Farben legt, vergisst man für einen kurzen Augenblick einfach alles um sich herum. Man schätzt kurz das Leben an sich, das einem solch traumhafte Erfahrungen schenkt. Unsere Erde ist voll von magischen Orten und es ist für mich, egal wo ich auch bin, immer eine Ehre, wenn ich wiedermal über Steine steigen darf, die vor ewigen Zeiten, per Hand aufeinandergetürmt wurden oder meine Hand über einen Baum streifen lassen kann, der zehnmal so alt ist als ich es jemals werde. Der schon soviel Regen, Sturm, und Kriege erlebt hat. Das klingt jetzt alles sehr kitschig, aber genau das war es auch. Dieser Ort ist so surreal schön, dass es wirklich schwer ist die Erfahrung in Worte zu fassen, weil sie beinahe unbeschreiblich ist. Anstatt einfach nur einen genauen Tagesablauf zu beschreiben und zu erzählen wie ich über holprige Straßen, vorbei an Pagoden, hölzernen Pferdekutschen, mit dem E-Bike den ganzen Tag herumgefahren bin, schreib ich lieber auch diese Gefühlsduselei auch mit rein, denn sonst würde es nicht ansatzweise ausreichen um das Gefühl zu vermitteln, das einem Bagan gibt, oder mir gab.

Dieses Plätzchen Erde hat mir aber so viel mehr gegeben, und ich bin wirklich sehr dankbar. Dankbar, weil ich genau zur richtigen Zeit dort sein durfte. An einem Ort, der geschichtsträchtiger und spiritueller nicht sein könnte. So viele verschiedene Herrscher die in ihrer jeweiligen Dynastie wieder eine Handvoll Pagoden hinterließen. Natürlich dienten sie auch dazu um Macht zu demonstrieren, aber ich bin sicher dass sie auch schon früher von den Menschen als Gebetsstätten und Rückzugsorte genutzt wurden. Und auch wenn ich absolut kein religiöser Mensch bin, hatte dieser Gedanke etwas tröstliches, dass so viele Menschen vor mir schon am gleichen Platz saßen und um Gesundheit und Glück für ihre Lieben zu bitten, oder um ihre Verstorbenen weinten. Tröstlich für mich daher, weil ich an diesen selbst schlechte Nachrichten aus der Heimat bekommen habe und mit Verlust zu kämpfen hatte. Diese Situation war immer meine größte Angst wenn ich auf Reisen gehe. Das jemandem zu Hause etwas zustoßen könnte und ich einfach nicht da bin. Man sitzt erstmal da. Und ist richtig, richtig traurig. Und man ist verzweifelt und richtig hilflos. Einerseits geplagt vom Gedanken, dass man die Person nie wieder sieht und andererseits von Schuldgefühlen weil man nicht da war, nicht da ist. Sich von jemandem nicht verabschieden zu können ist furchtbar und die Tatsache, dass man gerade um die 10.000 Kilometer von daheim weg ist, macht es noch viel schwerer. Und irgendwie gleichzeitig auch leichter. Man hat noch Zeit um es aufzuschieben, man kann sich zwingen die Trauer noch eine Weile zu unterdrücken und vor der Realität zu flüchten. Dieser Abstand ist Fluch und Segen zugleich. Ich weiß noch immer nicht ob es gut oder schlecht war für mich selbst, dass ich das alles von weit weg verarbeiten konnte oder nicht.

Und nach ein paar weiteren Tagen, habe ich mich nicht nur von Myanmar, sondern auch von dir verabschiedet. Wir sehen uns wieder!

Hannah

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