Weltenbummeln in: Thailand, Myanmar und Kambodscha – Part 3

Auch wenn es nur eine kurze und kleine Trilogie war, war es trotzdem meine erste haha. Eine längere Reise niederzuschreiben lässt einen echt all die Momente nochmal durchleben. Deshalb dauert es oft einfach länger, weil man ebenso alle Gefühle und Emotionen abermals fühlt, und Dinge beim erneuten Betrachten anders sieht als noch wenige Wochen zuvor. 

Koh Tao

Nach einer solch intensiven Zeit wie in Myanmar, gibt es nichts besseres als auf einer Insel die Seele baumeln zu lassen und im wahrsten Sinne des Wortes alle Sorgen am Weg dorthin über Bord zu werfen. Koh Tao ist ein so herrliches Fleckchen Erde, das es schafft jeden bei Ankunft in seinen Bann zu ziehen. Man fühlt sich einfach wohl dort. Herzlich aufgenommen und eingeladen, das Leben für eine Weile von der schönsten Seite zu sehen.

Der 21 Quadratkilometer große Inseltraum ist wie ein kleines Dorf. Man trifft Menschen mit denen man gleichzeitig angekommen ist zufällig auf der Straße, oder bei einer der unzähligen Strandbars abends beim Sonnenuntergangs-Bier wieder. Die Sonnenuntergänge sind nebenbei erwähnt die wohl schönsten, die ich bisher in meinem Leben gesehen habe. Ein unfassbares Farbenspiel mit einmaliger Atmosphäre. Es ist eine kleine Community hier, zu der man schon nach kurzer Zeit dazugehört. Man kennt die Verkäufer, das Barpersonal als ob man schon ewig dort leben würde. Und genau dieses Gefühl ist es, was diese Insel so bezaubernd macht. Das heimische und vertraute was sie ausstrahlt. Definitiv einer meiner absoluten Lieblingsplätze dieser Welt.

Siem Reap

Eine der vielen positiven Seiten an Südostasien ist, dass man schon nach einer Nacht im Zug und einem kurzen Flug später in einem anderen Land ist, das unterschiedlicher als das zuvor nicht sein könnte. Jedes der Länder hat – so blöd es klingen mag – seinen ganz eigenen Duft, Gestank, und ja auch wenn die Temperaturen die gleichen sein mögen, fühlt sich sogar die warme Luft anders an. Kambodscha ist ein Land das sehr viel zu erzählen hat. Es hatte so viel Leid zu beklagen und ist trotzdem noch, oder wieder wunderschön. Die erste Anlaufstelle Siem Reap hat mich sofort für sich gewonnen. Die vielen Cafés, Bars, die unheimlich entzückenden Straßen mit bunten Märkten, sind nur ein paar der nennenswerten Dinge.

Die kleine Stadt hat ihren ganz eigenen Charme und ich hatte wirklich nicht erwartet mich dort so wohl zu fühlen. Um ehrlich zu sein hab ich mir gar nichts außer einem Wiedersehen mit einem Freund nach vielen Jahren und ein paar schönen Tempelanlagen erwartet. Bekommen habe ich aber das beste Essen der gesamten Reise, ganz viele Gin Tonic´s inklusive, alle meine Reisemitbringsel, sehr gute Bekanntschaften und noch bessere Zeiten mit ihnen, Tuk-Tuk Fahrten durch die faszinierenden Umländer Siem Reaps plus Unfall, wo aber zum Glück niemand ernsthaft verletzt wurde, also einiges an Abenteuer.

Das vermeintliche Highlight, der Sonnenaufgang in Angkor Wat, war ganz offengestanden eine ziemliche Enttäuschung. Nicht falsch verstehen, es ist ein wahnsinnig magischer Moment, wenn sich der dunkle Nachthimmel langsam von schwarz zu lila, rot und orange färbt und der knallrote Feuerball hinter der Tempelanlage emporsteigt.

Doch leider ist die Vorstellung davon wesentlich romantischer als die Realität. Die sieht nämlich so aus, dass man inmitten von hunderten anderen Touristen eingepfercht entweder auf einem zuvor harterkämpften Platz in der Masse sitzt oder steht und sich ab und zu ganz verstohlen hochhebt um eventuell endlich ein Foto ohne 100 fremde Köpfe im Bild zu machen. Vielleicht lag es an dem Reisezeitraum, ich weiß es nicht, aber mit wie erwartet andächtig einfach den Moment zu genießen war nichts. Bilder entsprechen halt doch nicht immer der Wahrheit, was wir im weiteren Verlauf der Reise noch härter zu spüren bekommen sollten.

Nichtsdestotrotz wurde es noch ein guter Tag und ich kann jedem empfehlen sich von der Touristenmasse nicht abschrecken zu lassen, und sich von den beeindruckenden Gebäuden ins späte 12.Jahrhundert des Khmer-Reichs entführen zu lassen.

Tipp: Nach Sonnenaufgang nicht wie der Großteil der Touristen gleich in den Haupttempel laufen, den kann man sich für den Schluss aufheben, sondern wieder raus aus dem Gelände und rein ins Tuk-Tuk oder aufs Rad und ab zum nächsten Tempel. So hatten wir das Glück den wunderschönen Bayon-Tempel (den Tempel der 1000 Gesichter, wie er auch genannt wird) fast für uns alleine zu haben. Zumindest am Anfang. Endlich konnten wir ohne ärgere Verrenkungen beinahe menschenleere Bilder machen. Juhu! Nur Steine! Und davon sieht man dann ganz schön viele hier. Dunkle Steine, helle Steine, welche mit großen Gesichtern und andere mit ganz zarten Verzierungen. Es ist unvorstellbar für mich, wie die Menschen es damals mit bloßen Händen bewerkstelligt haben solch massiv große Tempelanlagen zu bauen, geschweige denn diese filigranen Details in die Steine zu hämmern.

Man fühlt sich so klein und unbedeutend wenn man andächtig durch diese Überreste einer längst vergangenen Zeit wandert, klettert und über Wurzeln steigt, die sich im Laufe der Jahre ihren Weg durch die Anlagen gebahnt haben.

Schon erstaunlich, wozu wir Menschen fähig sind. Und doch schaffen wir es jedesmal aufs Neue alles was wir uns mühevoll aufgebaut haben zu zerstören. Das wird einem vor allem in einem Land wie Kambodscha sehr gut veranschaulicht, wo es nach wie vor jährlich unglaublich viele Mienenopfer gibt, nicht zuletzt viele Kinder unter ihnen. Wozu wir uns gegenseitig soviel Schaden zufügen müssen und das immer wieder, bleibt mir schleierhaft. Wir könnten einfach die Schönheit dieser Welt genießen, von der gibts nämlich ganz schön viel und vor allem wäre genug für alle da.

Koh Rong 

„Nehmt ja keine Nachtbusse in Kambodscha!“

„Und wenn es sein muss, dann bucht bloß nicht bei dieser Firma“

Wie wir von Siem Reap über Phnom Penh, also einmal quer durch das ganze Land bis nach Sihanoukville gekommen sind, um von dort aus, aufs Boot nach Koh Rong zu steigen, könnt ihr euch wohl denken. Natürlich nachts, und sowieso mit dieser besagten Firma.

Oft kommt es eben anders als man plant. Zum Glück habe ich meine Fähigkeit überall einschlafen zu können bei dieser Reise echt perfektioniert. Nachdem der erste Anflug von Panik vorüberging, gaben wir uns unserem Schicksal hin und machten dies, was Erwachsene in so einer Situation eben so tun…. Wir spielten erstmal eine Runde „Uno“. Eine Dose Pringles -wohl eine meiner Hauptnahrungsquellen auf den ganzen Fahrten- später, kugelte ich mich in Embryostellung in meinem Lower-Sleeper-Schlafgemach zusammen und ignorierte gekonnt sämtliche Beinahe-Frontalcrashs mit anderen Bussen, während wir die ganze Nacht über die Straßen Kambodschas holperten.

Egal wo man sich in Asien befindet, muss man wie schon erwähnt sehr viel Geduld und Ruhe fürs Warten aufbringen. Was für uns Österreicher, als die wir sowieso einen Hang zum „versitzen“ haben, sobald wir in unserem netten Café oder Beisl sind, nicht weiter schwierig ist. Als wir es dann irgendwie über den wackeligen Steg aka Holzbrett auch noch auf´s Schiff geschafft haben, ohne mitsamt zwei Rucksäcken bepackt ins Meer zu fallen und kläglich zu ertrinken, war es an der Zeit alle Gedanken fürs erste am Festland zu lassen, sich die Meeresbrise durchs Haar wehen zu lassen und den Augenblick zu genießen. Der auch manchmal etwas ruppig war und einem empfindlichen Magen, beim Fahrstil des Kapitäns, durchaus etwas übel werden konnte. Damit hab ich zum Glück kein Problem und so ruft so eine Fahrt an Deck eines Bootes ein pures Freiheitsgefühl in mir hervor.

All das nichts gegen das Gefühl, das man bekommt wenn man nach einer Stunde am Wasser den von Palmen gesäumten Traumstrand sieht, im Wissen dass man diesen Anblick nun für ein paar Tage als erstes am Morgen nach dem Aufwachen und abends vor dem Einschlafen genießen darf.

Leider ist es aber, wie wir schon öfter erfahren mussten am Weg hierher so, dass die Vorstellung von etwas oft viel besser ist als die Realität. So auch hier. Nach einer weiteren Bootsfahrt an einen abgelegenen Strand, erreichten wir unseren Bungalow, eingebettet im Dschungel von Koh Rong. Ich weiß, dass es alles ziemlich traumhaft klingt, war es ja eigentlich auch. Doch der erste Gang zum Strand ließ uns mit nichts als purer Ernüchterung, Enttäuschung und Wut auf die Menschheit zurück. Ein endloser Strand, dessen Sand weißer nicht sein könnte, ganz für uns alleine. Kristallklares, türkis schimmerndes Wasser und hinter uns der unberührte Dschungel.

Und Müll. Berge von Müll, so weit das Auge nur reichen konnte. Egal wie weit wir den Strand entlang gingen, brachte es keine Veränderung. Vor einem war der wunderschöne Anblick des offenen Meeres, echt schon fast so zu schön und kitschig, und hinter einem das Abbild des Scheiterns einer ordentlichen Müllpolitik. Angespülte Handtaschen, Plastikflaschen und riesige Teile toter Korallen waren nur ein Bruchteil dessen was so zu finden war. Es war ein richtig trauriger Anblick.

12248030_10207143146030794_5181217455537056904_o

Der Müll, so sagte man uns später, wird großteils von Vietnam angespült. Doch ums Wegräumen kümmert sich hier leider auch keiner, sobald man die wenigen Hotelstrände verlässt. Ich kann es schon verstehen, dass in einem von Armut geplagten Land, Recycling nicht an oberster Stelle der Tagesordnung steht, aber ich denke es liegt vor allem an der westlichen Welt, erstens mit besserem Beispiel voranzugehen und zweitens Lösungen zu finden, wie wir solche Länder sinnvoll unterstützen können. Und zwar schnell und längerfristig. Ein Schnorchelausflug zeigte uns das Ausmaß der Verwüstung unter Wasser. Man muss sich vor Augen führen, dass dieses Gebiet nun wirklich noch nicht sehr touristisch ist und trotzdem ein großer Teil der Riffe schon jetzt braun und am absterben ist. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit sobald man untertaucht, einem Plastiksackerl zu begegnen wesentlich höher als zum Beispiel eine Schildkröte zu sehen. Und das hat mich wirklich traurig und nachdenklich gestimmt. Wie bereits öfter erwähnt, sind wir Menschen echt gut darin Dinge zu zerstören. Es ist höchste Eisenbahn um aufzuwachen und etwas zu ändern! Das heißt nicht, dass jeder einen ausgeklügelten Plan aufstellen muss, wie man das Müllproblem in Kambodscha lösen könnte – Nein, es fängt schon daheim an beim Umgang mit Lebensmitteln, und erst recht beim Verhalten wenn man auf Reisen geht. Doch da das hier keine „How to become a good person“- Lektüre werden soll, genug davon. Ihr wisst worauf ich hinauswollte. Es sollte einfach mal eine ehrliche Darstellung sein, da wir uns auch etwas ganz anderes erwartet hatten als wir Koh Rong als Reiseziel wählten, nämlich abschalten und nicht nachdenken, also genau das Gegenteil. Vielleicht aber auch ganz gut so. Ich verstehe schon, dass es nicht viel Spaß bereitet zugemüllte Bilder vom vermeintlichen Traumstrand zu posten, aber wir sollten uns nicht auch noch gegenseitig blenden und uns vormachen alles sei perfekt. Damit richtet man mehr Schaden an, als es irgendwem etwas bringt.

Am Ende waren wir entweder noch mal waghalsig, oder schon etwas abgestumpft und gönnten uns zum krönenden Abschluss noch eine 20-stündige Busfahrt, inklusive Fußmarsch über die Grenze nach Thailand, um in Bangkok, unserer Endstation dieser intensiven, schönen, schrägen, und abenteuerlichen Zeit, die letzten Tage zu genießen bevor es wieder ab ins immer noch kalte Österreich ging.

Hannah

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s