Einfach mal: rational bleiben

Bei dem was man vor allem in der letzten Zeit schon beinahe täglich in den Nachrichten sieht und liest, wird man natürlich nachdenklich ob man denn noch unbeschwert reisen kann, oder sich realistisch der Gefahr aussetzt Opfer eines Terroranschlags zu werden wenn man gemütlich am Strand liegt.

So sehr ich es verstehe, dass man vielleicht zweimal überlegt, ob man in der nächsten Zeit nach Istanbul oder Paris fliegt, kann ich trotzdem die generelle Panik darüber nicht nachvollziehen. Es ist schrecklich was in den letzten Wochen und Monaten alles passiert ist, es macht mich unheimlich wütend und traurig, dass viele Unschuldige dabei ihr Leben verloren haben. Doch mehr Angst habe ich deshalb nicht. Denn die Chance, dass wir sterben besteht jeden einzelnen Tag. Und nicht nur an Schauplätzen wie am Flughafen von Istanbul oder in einer Konzerthalle in Frankreich.

Sobald wir das Haus verlassen gibt es unglaublich viele Einwirkungen auf die wir keinen oder nur wenig Einfluss haben. Ich lebe in einer relativ großen Stadt, und so eine Stadt hat es an sich, dass viele verschiedene Menschen aufeinandertreffen. Und nicht nur das, auch Autos, Fahrräder, Motorräder, ja sogar potentiell gefährliche Skateboarder gibt es hier im Übermaß. Die Chancen, dass es hier ein unschönes Zusammentreffen zwischen Mensch und Maschine gibt stehen also tagtäglich gut. Habe ich deshalb Angst sobald ich über die Straße gehe? Nein! Und von einem Auto überfahren zu werden stelle ich mir mindestens genauso schmerzvoll vor, als erschossen zu werden. Auch das Risiko, dass ich an den Folgen des Unfalls sterbe sind relativ hoch, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit in der Stadt mindestens 50 km/h beträgt. Tendenziell sogar eher mehr.

Wie schaffe ich es also mich trotzdem in meiner Stadt noch so freizubewegen obwohl hinter jeder Ecke der Tod lauern könnte?

Ganz einfach. Ich bleibe rational.

Und genauso verhält es sich auch mit dem Reisen. Nur weil es da draussen ein paar Irre gibt, denen sehr wenig an Menschenleben liegt, fühle ich mich nicht weniger sicher wenn ich in einen Flieger steige. Ein Flugzeug könnte auch ohne fremde Einwirkung abstürzen. Menschliches Versagen, technische Gebrechen, oder einfach blöder Zufall.

Ich werde auch keine großen Menschenansammlungen mehr meiden als ich grundlegend schon tue, und schon gar nicht weil sich neben mir jemand in die Luft sprengen könnte, nein sondern weil ich verschwitzten Touristenmassen noch nie viel abgewinnen konnte. Und wenn ich dann doch bei einer Sehenswürdigkeit stehe, werde ich auch nicht anfangen mich die ganze Zeit panisch umzublicken, ob ich vielleicht einen Menschen sehe der irgendwie gefährlich aussieht. Vorzugsweise männlich und mit Bart. Könnte sich unter den ganzen Hipster Touristen auch als echte Challenge erweisen nur so nebenbei.

Ich werde also das machen weshalb ich an den Ort gereist bin. Ihn bewundern, Fotos machen, Momente zu Erinnerungen verwandeln und die Schönheit des Unbekannten, des Neuen genießen.

Lasst euch eines der schönsten Dinge der Welt nicht vermiesen nur weil es da draußen grausame Menschen gibt. Die wird es auch weiterhin geben, auch wenn ihr nicht mehr in die Türkei fliegt. Viele Menschen werden allerdings darunter zu leiden haben, wenn der Tourismus einbricht, da dies eine riesengroße Einnahmequelle für viele Länder ist. Lasst nicht noch mehr Menschen leiden. Es ist unbegründet und irrational.

Um es in Zahlen anschaulich zu machen: Dieses Jahr sind nur in Österreich knapp 180 Menschen bei Autounfällen ums Leben gekommen, alleine letzte Woche gab es 5 Unfalltote. Weltweit gesehen gab es seit November 2015 bis jetzt ca. 2300 Menschen die dem Terror zum Opfer fielen. Das sieht auf den ersten Blick vielleicht nach einem sehr großen Unterschied aus, jedoch setzt es Österreich in Relation zur gesamten Welt.

Natürlich hat jeder und jede das Recht selbst zu entscheiden inwiefern man sich dadurch beeinflussen lässt. Ich denke nur es wäre schade sich so großartige Momente vermiesen zu lassen.

Ich werde jedenfalls nicht aufhören zu reisen, auch Istanbul streiche ich nicht von meiner Bucketliste, sogar ins gefährliche Israel werde ich bei Gelegenheit wieder fliegen, nur um von dort aus dann auch noch nach Palästina weiterzufahren. Und das ganz ohne Angst aber mit viel Vorfreude und unstillbarem Hunger nach neuen Erfahrungen!

Hannah

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