Einfach: Zurückkommen

Vielen ist nicht bewusst, dass es manchmal einfacher ist, zu gehen als wieder zurückzukommen.

Denn auch wenn das weggehen mit einem Loslassen verbunden ist, gilt gleiches auch für das Heimkommen. Weil man um dies zu tun, ja auch wieder woanders hingehen musste.

Und so ist das ein endloser Kreis. Der sich immer gleich weiter dreht, egal wie man ihn betrachtet. Ein normaler Zyklus eben. Mit einem Anfang und einem Ende. Einer Tür die man schließt, um eine neue öffnen zu können. Und dies in endloser Wiederholung.

Viel habe ich über meine Zeit in Mexiko und den umliegenden Ländern nicht erzählt. Okay gut auf Instagram mit ausreichend Bildern vielleicht.

Es liegt auch nicht daran, dass ich nicht genug zu sagen hätte. Genug Geschichten auf Lager hätte.

Woran genau es liegt, dass ich diese noch nicht erzählt habe, weiß ich selbst nicht so ganz genau.

Meine Vermutung ist ja, weil es ja so ist, wenn man von seinen Reisen erzählt, man ja immer von Vergangenem spricht. Und genau das ist wohl der springende Punkt bei mir. Was wenn man exakt daran nicht erinnert werden will, weil der Abschied einfach zu schwer war. Zu unerträglich und man noch immer versucht an dem Geschehenen festzuhalten. Es nicht als Erfahrung und Erinnerung, die langsam aber sicher verblasst, sobald man wieder im Alltag angelangt ist, einfach so abstempeln will.

Ich kann wie gesagt sehr gut nachvollziehen, warum es vielen Menschen so schwer fällt, sich überhaupt zu überwinden raus in die Welt zu gehen. Da gibt es viele Hürden, die es zu überwinden gilt. Zumindest denkt man das.

Zum einen den finanziellen Faktor, aber vorrangig die Angst vor Neuem. Und die Fragen, was ist wenn dies oder jenes eintreten sollte. Doch um in so eine Situation erstmal zu gelangen, muss man sich in diese begeben. Weil meistens kommt alles sowieso anders als man denkt.

Hat man diese Schwierigkeit einmal überwunden, ein Ticket gekauft und seine Sachen gepackt, dann taucht man erstmal ein in das Abenteuer.

Am Weg, wie lang dieser auch sein mag, und wohin einen dieser auch führen wird, kann ich euch versprechen, dass ich überrascht (sein) werdet.

Nicht nur von den vielen neuen Dingen, Menschen, Gerüchen und allem was eben zu einem anderen Land dazugehört, aber vor allem von euch selbst.

Eine Reise ist niemals nur schön. Sie ist niemals nur einfach. Ihr werdet auf die eine oder andere Weise an eure Grenzen stoßen und diese übertreten.

Garantiert viel weiter, als jemals vom Sofa aus!

Ich habe dies im letzten halben Jahr nicht nur einmal gemacht. Ich habe meiner Angst vorm Meer, beziehungsweise seinen Bewohnern, nicht nur einmal den Mittelfinger gezeigt.

Ich war surfen, bin in Belize mitten im Ozean in einen Schwarm von Haien und Stachelrochen gehüpft und im dunklen Blau an einem Korallenriff bei starkem Wellengang geschnorchelt. In Guatemala habe ich einen Vulkan bestiegen. Nicht den höchsten, aber jeder der mich kennt, weiß wie ungern ich irgendwo hoch klettere. Die größte Herausforderung daran, war wohl der Abstieg bei kompletter Dunkelheit und nur mit einer Taschenlampe am Iphone ausgestattet. Doch das war bei weitem nicht der schwierigste emotionale Moment an dieser Erfahrung. Dieser kam als wir endlich wieder unten angekommen sind. Das süße kleine Hundebaby, welches ich vor dem Aufstieg noch zusammengekuschelt mit seiner Mutter fotografiert hatte, lag da plötzlich vor meinen Füßen und war tot. Wahrscheinlich wurde es überfahren. Innerhalb weniger Stunden war anstelle von jungem Leben der Tod getreten.

Und ja für manche mag das jetzt vielleicht sehr überdramatisiert klingen, aber glaubt mir in einem Moment, wo ihr euch gerade überwunden habt einen Vulkan rauf- und runter zu klettern, und euch einfach nur auf ein kühles Bier freut, in so einem drückt das ordentlich auf die Stimmung und macht euch, wenn auch auf eine ungewohnte Art schmerzlich bewusst wie kurz das Leben doch sein kann. 

Natürlich gibt es dann auf der anderen Seite diese hocheuphorischen Erfahrungen, wie eine Techno Party mitten im Nirgendwo von Guatemala, mit Blick auf einen Lava spuckenden Vulkan, oder das gemeinsame spontane Tattoo mit einer Person, die euch 2 Stunden zuvor noch völlig fremd war.

Den durchzechten Nächten mitten im Dschungel, tanzend, voller Lebenslust und purer Glückseligkeit. Die Bekanntschaften, die spannenden Gespräche mit völlig Fremden, die euch aber wieder auf eine völlig andere Spur im Leben bringen können, weil sie euch inspiriert haben, irgendwo ganz tief im Innersten berührt haben.

Der Moment, wenn man den weltbesten Taco gefunden hat, mit einer Soße, die einem drei Tage danach noch im Gaumen kitzelt.

All dies sind die schönen Erinnerungen. Die Art, welche uns lange im Gedächtnis bleibt. Uns nachhaltig verändert und uns womöglich dazu bewegt, alles auf den Kopf zu stellen und seine bisherigen Ziele völlig neu auszugestalten.

Wovon ich spreche ist Mut.

Der Mut uns zu trauen.

Uns selbst zu vertrauen.

An die Zukunft zu glauben.

Das war meine Lektion dieser Reiss, was mich auch zum eigentlichen Thema zurückbringt.

Die Rückkehr.

So kommt man also nach einer gewissen Zeit wieder im trauten Heim an. Man schläft wieder im eigenen Bett, trifft wieder alle seine Freunde und natürlich die Familie.

Man hat wieder die Qual der Wahl, welches Outfit man tragen sollte, hat wieder alle Annehmlichkeiten, wie einen Geschirrspüler und trinkbares Leitungswasser.

Und man ist sich bewusst, dass man eigentlich vor Freude tanzen sollte, weil man endlich wieder “zuhause” ist.

Was wenn man sich aber nicht so fühlt? Wenn sich plötzlich vertrautes nur mehr fremd anfühlt. Sich Gespräche mit Freunden nicht mehr echt anfühlen. Man sich selbst hier in dieser Umgebung nicht wiedererkennt.

Völlig normal. Und es war auch für mich ein Schock zuerst. Weil man mit so vielen Erwartungen in den Flieger richtung Heimat steigt. Das einzige, das hierbei hilft ist Geduld. Und Zeit. Diese zwei Sachen, muss man sich selbst zugestehen. Es ist okay, wenn man nicht sofort mit allen auf einen Kaffee gehen will. Wenn man nicht sofort wieder mit einem Lächeln im Gesicht durch die Straßen gehen kann.

Man darf müde sein, man darf traurig sein. Ich habe Stunden im Bett verbracht und geheult, weil ich nicht wusste warum sich das alle nicht besser anfühlt.

Doch es ist eben nicht nur das Zurückkommen. Es war genauso ein Abschied. Und deshalb darf man darum trauern. Um die Erfahrungen, die Menschen, die Landschaften, und alles was dazu gehörte.

Wie auch bei der Reise selbst, muss man sich etwas Zeit zum Akklimatisieren geben. Selbst wenn es vorher “Zuhause” war, muss es sich nicht notwendigerweise danach auch noch immer so anfühlen.

 

❤ Hannah

 

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